Bürstadt Redskins

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Coach Zupon is back home

„Welcome back Coach Zupon“ titelte in den vergangenen Tagen ein Post der Redskins auf Social Media. Sportredakteur Claudio Palmieri vom Mannheimer Morgen wählte als Überschrift seiner Kurzinfo letzte Tage die Worte „Der Neue ist ein Alter“. Und der Vizepräsident Sport des American Football Verband Deutschland Josef Andres (Anm.: Ebenfalls ein Urgestein der Redskins) attestierte spontan. „An den kann ich mich auf jeden Fall noch erinnern. Das ist ein Guter.“

Unterdessen sammelte der erste Redskins Post zum neuen Headcoach der Seniors auf Facebook ein Like nach dem anderen und in den  Kommentaren waren Bemerkungen wie: „Menschlich Top und fachlich kompetent !! Sehr gute Wahl …“ zu lesen. Redskins Abteilungsleiterin Anna Messina und ihrem Vize, Sportchef André Zeimet wird eine zentnerschwere Last vom Herzen gefallen sein, bei derart vielen positiven Rückmeldungen.

Unser Kommunikationschef Harry Frommeld traf sich mit Thomas Zupon am Homefield der Redskins. Hier einige Ausschnitte des ersten ausführlichen Gesprächs der beiden:

Harry: Tom. Erst einmal herzlich willkommen zuhause. Sicherlich werden sich einige von uns noch an Dich erinnern. Die Mehrheit allerdings allenfalls dem Namen nach. Bitte stelle Dich doch einfach kurz vor.

Thomas: Gerne. Thomas Zupon, wohnhaft in Mannheim, geboren am 23.11.67 in Minnesota. Hauptberuflich arbeite ich im Verkaufsinnendienst bei einem Kranhersteller. Ich bin verheiratet, ein erwachsener Sohn, der leider keine Verbindung zum Football hat. Mein sportliches Vorbild ist Tony Dungy (Anm.: erster afro-amerikanischer Head Coach, der den Super Bowl gewann).

Harry: Du warst von 1986 bis 1999 als Spieler bei den Redskins aktiv. Als Coach hast Du die Longhorns aus Weinheim unter HC Marvin Washington unterstützend und die Bandits aus Mannheim hauptverantwortlich in die zweite Liga geführt. Dazwischen und anschließend gab es weitere Stationen, die ich jetzt gar nicht alle aufzählen kann. Seit 2006 bist Du einer der wenigen Inhaber der A-Lizenz als Coach. Was war das sportliche Highlight in Deiner beachtenswerten Laufbahn als Trainer?

Thomas: Es gab viele Highlights, an die ich mich gerne erinnere. Ganz besonders emotional für mich war der Aufstieg in die zweite Bundesliga mit den Bandits und eine Einladung durch den National Coach der Galaxy, Patrick Esume zum Trainingslager nach Tampa Bay. Diese Zeit hat mich als Coach enorm geprägt.

Harry: Und nun bist Du also wieder ein Redskin. Wie fühlt sich das für Dich an?

Thomas: Das ist ein Hammergefühl. Ich habe viele tolle Erinnerungen als Spieler. Es ist so, wie Du bereits auf Social Media geschrieben hast: Die Redskins verlässt man nie so ganz. Es war meine erste Station im American Football. Und ich kann mir gut vorstellen, dass es auch die letzte sein wird.

Harry: Du übernimmst ein Team, welches soeben in die Landesliga abgestiegen ist. Die Motivation bei den Jungs hält sich verständlicherweise in Grenzen. Worauf dürfen oder müssen sich für die neue Epoche einrichten?

Thomas: Zu allererst: Ich bin ein furchtbar schlechter Verlierer. Wenn ein Gegner uns schlägt, dann hat er es verdient. Dann hat er besser trainiert, härter gearbeitet, mehr Mut gezeigt und mehr Emotion eingebracht. Spiele werden im Training gewonnen. Also werden wir strukturiert und hart trainieren. Die Jungs sollen Spiele gewinnen. Die Liga ist mir dabei ganz egal. Dann kommt der Spaß von ganz allein wieder. Übrigens: Ich will keine Gamedayheroes. Wer im Training ist, der spielt bevorzugt. Im Football gewinnt die Mannschaft, nicht eine Ansammlung von Exzentrikern.

Harry: Dein Vorbild Tony Dungy soll einmal gesagt haben: „Ich muss alle fair behandeln, aber fair bedeutet nicht immer gleich.“ Dem stimmst Du also nicht ganz zu?

Thomas: Doch. Absolut. Tony hat als Coach mit Profis gearbeitet. Unsere Spieler hingegen wollen in erster Linie Spaß nach dem Feierabend und am Wochenende haben. Und das sollen sie auch. Wer jedoch im Training unentschuldigt fehlt, wird als Starter nicht aufgestellt. Wer beruflich ab und an verhindert ist, den werde ich nicht dafür bestrafen. Das ist fair und doch nicht immer gleich.

Harry: Was erwartest Du von den Mitgliedern Deines Teams?

Identifikation mit der Mannschaft und den Werten der Redskins. Ich bin jetzt selbst wieder ein Redskin und werde die Werte vorleben. Wenn man von den Redskins spricht, dann soll man das assoziieren mit intensivem Training, harter Arbeit, Kameradschaft und sportlichen Erfolgen. Die Spieler werden dabei mehr Verantwortung auf dem Platz übernehmen. Fürs Training sind die Coaches verantwortlich.

Harry: Und welche Ziele setzt der Headcoach Zupon seinem Team für die kommende Season?

Thomas: Ich kenne die Mannschaft noch nicht. Bin mir aber ziemlich sicher, dass wir nach dem Abstieg die Jungs erst einmal mental werden einfangen müssen. Klar wollen wir nächstes Jahr in der Landesliga gut mitspielen. Aber nicht allein mit den bisherigen Mitteln. Es gibt andere Wege im Football, die zu Erfolg führen. Wir werden mehrdimensional spielen. Und wir werden den Teil des harten Kerns wieder zurückholen, der sich in diesem Jahr rar gemacht hat. Ich selbst werde scouten und an den Schwachstellen ergänzen. Das wichtigste Ziel ist ein funktionierendes Gefüge innerhalb der Mannschaft. Sportlich und persönlich. Der Erfolg kommt dann von allein.

Harry: Auf welche Veränderungen sollte sich Dein Coaching Staff einrichten?

Thomas: Wir haben für die Line mit Daniel (Thatcher) einen richtigen Haudegen, der weiß worauf es ankommt. CJ (Christian Steffan) ist seit Jahren als Jugendcoach sehr erfolgreich. Diese Expertise soll er als Spielertrainer für die Receiver einbringen. Mit Jan (Frommeld) steht uns ein weiterer und mittlerweile ebenfalls erfahrener Jugendcoach für die Runningbacks zur Verfügung. Beide. CJ und Jan haben mit ihren Jugendteams bereits gezeigt, was sie leisten können und Meisterschaften gewonnen. Darauf können wir in der Offseason erst einmal aufbauen. Ich selbst werde mich zunächst um die Defense kümmern, bis uns auch hier adäquate Coaches zur Verfügung stehen. Möglicherweise unterstützt mich dabei unser Jugendleiter Jens Pfeifer ein wenig. Wie wir uns dann für die kommende Season im Coaching Staff aufstellen, werden wir erst einmal noch offen lassen.

Harry: Football is a coaching game, hört man immer wieder von sogenannten Oldschool-Trainern. Wie stehst Du dazu, Tom?

Thomas: Auf meinem Playbook steht die Maxime „We, Us, Our.“ Bedeutet für mich: Wir bestimmen, wo es hingeht. Gemeinsam. Es ist unser Spiel. Für die Coaches bedeutet das:
Es geht um das Team. Die Spieler werden gehört und wir gehen auf sie ein. Jeder wird dort eingesetzt, wo er sich am besten sportlich entfalten kann und wo er der Mannschaft dienlich sein wird. Wenn ich es schaffe, Interesse an meinem Coaching zu wecken, dann bekommen wir eh eine gute Mannschaft für die Landesliga im kommenden Jahr. Im Team steckt das nötige Potenzial, so viel habe ich bei meinen bisherigen Trainingsbesuchen bereits erkennen können. Wir müssen es nur wecken.

Harry: Die Seniors werden gerne auch als Flagship der Redskins bezeichnet. Fast 100 Nachwuchsfootballer sehen zu ihnen auf. Welche Bedeutung hat das für Dich?

Thomas: Ich sehe die starke Jugendarbeit hier und bin begeistert. Wir werden dafür sorgen, dass der Nachwuchs einen sicheren Hafen bekommt. Sich auf den Wechsel zu den Seniors freut. Und ich bin mir der Problematik durchaus bewusst, dass in den vergangenen Jahren zu viele hier ausgebildete Talente zu größeren Teams in höhere Ligen gewechselt sind. Die Jugend der Redskins braucht jedoch eine Perspektive im eigenen Verein. Daran werden wir arbeiten.

Harry: Wie ist der Zeitplan für die Seniors in den nächsten Wochen?

Thomas: Am 17.11. werden wir erst einmal alle Spieler zu einem Teammeeting ins Vereinsheim einladen. Da werde ich mich um 19 Uhr offiziell bei der Mannschaft vorstellen und mit den Jungs gemeinsame Ziele definieren.

Ab dem 22.11.werde ich dann offiziell ins Trainingsgeschehen eingreifen.

Und das KickOff-Meeting für die neue Season wird am 01.12. um 19 Uhr im Vereinsheim stattfinden.

Harry: Ich danke Dir ganz herzlich, Tom. Wir wünschen Dir und Deinem Team viel Erfolg, Spaß und Zusammenhalt.

Abteilungsleiterin American Football und Cheerleading Anna Messina und Redskins Sportchef André Zeimet (rechts) mit dem neuen Headcoach der Seniors Thomas Zupon (Quelle: Redskins)
Abteilungsleiterin American Football und Cheerleading Anna Messina und Redskins Sportchef André Zeimet (rechts) mit dem neuen Headcoach der Seniors Thomas Zupon (Quelle: Redskins)

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